Der letzte Schritt

Betäubt. Ohnmächtig.

Bauers Zorn, ihre Furcht, die Verzweiflung, ihr ganzes Fühlen liegt zerschmettert unter der kalten Verachtung, die der Prinz ihrem Ausbruch entgegen gebracht hat. Sie ist wie gelähmt, erschlagen.

Einen Moment lang hat sie die Tür angestarrt, fassungslos, haltlos, ohne Chance, einen klaren Gedanken zu fassen. Wieder dieses Gefühl, in einen Abgrund zu stürzen.

Dann, als der Zorn sich noch einmal Bahn bricht, schaut sie sich um, in dem wilden Wunsch, irgendwas dieser gleichgültigen, verschlossenen Tür entgegen zu schleudern. Etwas zerbrechen zu sehen. Etwas, das nicht sie ist. Doch am Ende bezwingt sie ihren Zorn, nutzt ihn, um das Büro, diesen Ort zu verlassen, irgendwie nach Hause zu gelangen und den Schmerz und die Demütigung zu beherrschen, die in ihr brennen.

Stunden. Tage.

Die Zeit verstreicht und ist vollkommen ohne Bedeutung. Ihr Geist ist ein getriebenes Blatt im Sturm. Stundenlang sitzt sie in ihrer Wohnung und starrt die Wand an, fühlt sich wie ein Tier im Käfig. Dann springt sie auf, verlässt das Haus, läuft, läuft immer weiter, durch die Stadt, den Fluss entlang, zum Friedhof. Steht an Bernds Grab. Kehrt zurück, leer, hohl, ohne Antworten zu finden.

Am ersten Tag nach dem Vorfall im Büro des Prinzen war Bauer zur Zentrale gefahren. Ohne Gruß, ohne Ankündigung war sie in das Büro ihres Chefs gegangen und hatte ihm einen Umschlag auf den Tisch geworfen.

„Ich gehe.“

Er hatte sie angeschaut, mit diesem nachdenklichen Blick, den er sich für besondere Situationen aufhob, und siedend stieg in ihr das Bewusstsein auf, dass er wusste, was gestern Nacht geschehen war. Gegen ihren Willen senkte sie den Blick.

„Setzen Sie sich.“

„Nein.“ Trotzig verschränkte sie die Arme. Er seufzte.

„Theresa, bitte. Setzen Sie sich.“ Widerwillig gab sie nach. Er sagte nichts, schaute sie nur forschend an.

„Was auch immer passiert ist, denke ich, dass Sie jetzt keine übereilte Entscheidung treffen sollten.“

„Sie ist nicht übereilt. Ich weiß, was ich tue.“ Bauer ging ihr eigener Tonfall auf die Nerven. Sie fühlte sich wie ein Kind.

„Nein, das wissen Sie nicht“, antwortete ihr Chef, und er klang wie ein verständnisvoller Lehrer, was Bauer noch mehr aufbrachte, „und ich denke, Sie sollten das tun, was der Prinz Ihnen gesagt hat. Sich Zeit nehmen.“ Er berührte das Kuvert mit den Fingerspitzen und zog es zu sich.

„Ich werde es in Ihre Akte legen. Verschlossen. Wir werden darüber noch einmal sprechen, wenn Sie … emotional nicht mehr so diskreditiert sind.“ Bauer stand auf. Keine Sekunde länger hielt sie das aus, den geduldigen Tonfall, das Wissen, dass er wusste … Sie nickte knapp, und als sie sein „Sie können gehen“ hörte, hatte sie das Büro bereits verlassen.

Fort. Weit fort.

Das ist ihr erster Gedanke. Der hartnäckigste in ihrem Kopf. Der sie beherrscht, wenn sie läuft, ihre Strecke, in der eisigen Dezemberluft. Kurz vor Sonnenaufgang. Ihre Zeit. Das Wissen, dass die Welt am Tag nicht untergeht.

Ihre Gedanken und Gefühle drehen sich in einem endlosen, uferlosen Kreis. Wohin? Wohin kann sie noch, nachdem sie gesehen hat, was sie sah, erfahren hat, was sie fühlt? Diese Stadt ist klein. Wo auch immer sie sich hinwendet, es wird andere dort geben. Andere Monster.

Wohin?

Wohin kannst du noch, wo du nicht schon gescheitert bist?

Ein Söldner findet immer Arbeit.

Für welche Herren wirst du dann arbeiten?

Manchmal denkt sie in diesem Moment an ihre Kindheit, das Märchen der Bremer Stadtmusikanten.

Etwas Besseres als den Tod findest du überall, sagte der Esel zum Hund.

Sie muss lachen. Märchen.

Doch schlimmer als die Tage sind die Nächte. Die Dunkelheit vor ihrem Fenster. Die Dunkelheit in ihren Träumen. So sehr ihr Geist, ihr waches Sein, fliehen will, so deutlich zeigt ihr schon der erste, erschöpfte Schlaf nach dieser Nacht, dass ihre Seele diesem Willen nicht mehr folgt. Ihre Träume sind beherrscht von Blut, von einem verzweifelten Sehnen, dem Wunsch, sich in dem dunklen Spiegel aus Vitae zu verlieren, sich aufzugeben. Diese Welt voll Grauen, voll Dunkelheit ruft nach ihr.

Sie träumt von Fangzähnen, von der alles durchdringenden Furcht, die sie fühlte, und von dem Wunsch, vor diesem unmenschlichen Grauen zu kapitulieren. Sie träumt und spürt den Biss, scharfe Zähne, die sich in ihre Kehle bohren. Sie erwacht, geschüttelt vor Entsetzen und dem verzehrenden Wunsch, aufzugeben, nachzugeben und sich dem Vampir, der ihr das angetan hat, vor die Füße zu werfen.

Der Widerspruch zwischen dem, was sie fühlt, und dem, was sie will, zerreißt sie. Ihr Stolz ist das letzte, das sie daran hindert, diesem Wunsch nachzugeben. Das und die andere Frage: Würde sie das nicht als Schwäche begreifen?

„Sie haben mich enttäuscht.“ Der Satz brennt in ihrer Seele, sooft sie ihn denkt.

Sie will, dass ich komme, dass ich freiwillig komme, mich aufgebe. Kann sie mich dann noch achten? Kann ich mich dann noch achten?

Was der Prinz darüber sagte, was sie vorhabe, sollte Bauer ablehnen, weist sie von sich. Zu bleiben und nicht zu tun, was sie tut, nicht zu wissen, was sie jetzt weiß, ist keinen Moment lang eine Option.

Wo ist die Welt? Wohin ist der Rest verschwunden? Wann war der Moment, an dem sie den Bezug zum wirklichen Leben verloren hat?

Nach über einer Woche in ihrem Käfig mietet sie sich einen Sportwagen. Fährt in fünf Stunden 800 Kilometer. Nach Norden.

Die Häuser in Jütland haben alle etwas niedliches. Eines sieht aus wie das andere, mit Garten hinterm Haus und Blumen vor den Fenstern. Beschaulich ist es hier. Die Luft riecht nach Salz, und hinter den Hügeln rollt die sanfte Dünung der Ostsee. Möwen schreien im Wind.

Bauer sitzt im Auto und beobachtet das Haus Nr. 4. Erst, als zwei Schulkinder durch den Vorgarten laufen und auf das deutsche Kennzeichen aufmerksam werden, steigt sie aus.

„Dein Besuch ist etwas – überraschend.“ Beate kann sich nicht dazu durchringen, ihre Stimme herzlich klingen zu lassen. Ihre grauen Augen beobachten Theresa misstrauisch. Sie sitzen in der Küche, trinken Kaffee. Die Kinder spielen im Wohnzimmer. Krieg. Tim liebt die seltenen Besuche seiner Tante, der Soldatin. Beate hasst die Faszination, die ihre Halbschwester auf den Sohn ausübt.

„War eine spontane Entscheidung.“ Theresa zuckt die Schultern. Beate steht auf, geht ins Wohnzimmer, und sie lässt ihren Blick durch die blitzsaubere Küche schweifen. Ihre Schwester hat sich gut verheiratet, arbeitet halbtags, kümmert sich um die Kinder.

Macht das glücklich? Ist das das Leben, von dem andere immer reden?

„Schön habt ihr es hier“, sagte Theresa, als Beate zurückkommt.

„Danke.“ Sie schweigt einen Moment, nippt an ihrem Kaffee. „Du weißt, dass wir das auch alles hätten haben können, wenn du es damals zugelassen hättest.“ Theresa verdreht die Augen. Aber sie ist zu müde, zu zermürbt, um die Diskussion erneut aufzunehmen. „Wie steht es denn bei dir? Hast du grade jemanden?“ Sie nippt an dem Kaffee und schweigt. Beate schüttelt den Kopf. „Du wirst auch nicht jünger. Reicht es nicht langsam mal mit dem Soldat-spielen?“

Theresa trinkt ihre Tasse leer und steht auf.

„Danke für den Kaffee. Ich muss wieder los.“ Ihre Schwester bleibt sitzen, schaut sie forschend an.

„Warum bist du vorbei gekommen?“  Sie antwortet, ohne nachzudenken.

„Um mich zu verabschieden.“ Beate nickt. Sie fragt nicht nach.

An diesem Abend betrinkt Bauer sich. Das erste Mal seit sehr langer Zeit. Sie will die Träume abhalten, die Gedanken. Doch es gelingt ihr nicht. Die Finsternis kriecht aus allen Ecken auf sie zu. Ihre Welt schrumpft zusammen, verschmilzt in einem winzigen Punkt.

Geh.

Hände stoßen sie fort. Sie stolpert.

Lauf weg!

Klauen reißen an ihr. Sie wehrt sie ab.

Rette dich!

Zähne, die beißen. Blut, das über ihre Haut strömt. Unmenschliche Augen, die sie anstarren, sie bezwingen. Ihre Welt zerfällt, zerbirst in Scherben. Sie schließt die Augen, gelähmt, ergeben. In ihrem Mund schmeckt sie Blut, metallisch und süß.

Hingabe. Unterwerfung.

Mit einem Schrei erwacht sie. Ihr Herz rast, und sie rollt sich zitternd auf ihrem Sessel zusammen. Sie kämpft, um ihren Willen, um ihre Seele.

Gib mir eine Richtung. Gib mir einen Grund, zu kämpfen.

Schweigen.

Sie steht am Rande des Abgrunds. Wie damals, im Oktober. Sie weicht nicht zurück, sondern schaut. Spürt, dass es dort etwas gibt, etwas Lauerndes, Ungeheuerliches, das den Blick erwidert.

Es ist zu spät. Es war damals schon zu spät.

Das Schwarz zieht sie an, breitet sich aus, greift nach ihr. Sie steht wie festgewachsen.

Lauf, Mensch. Das hier ist nicht für deine Art bestimmt.

Ein hypnotischer Wirbel, verlockend, süß. Erfüllt von Sturm. Stille. Tod.

Die Dunkelheit kommt näher. Der Boden, auf dem sie steht, erzittert, zerfließt und gleitet ab. Sie schließt die Augen. Weicht nicht zurück.

Als sie am nächsten Morgen aufwacht, scheint die Sonne durch ihre Dachfenster. Es ist ein frostiger Tag, schön in seiner eisigen Klarheit. Bauers Kopf schmerzt, das Licht blendet ihre Augen. Mühsam bewegt sie sich, schält sich aus der zusammengerollten, verkrampften Haltung.

Es herrscht eine eigenartige Ruhe in ihrem Kopf. Sie tritt an eines der Fenster, schaut hinunter auf die Straße. Sieht Menschen, die es eilig haben, Kinder, die spielen. Ein Eichhörnchen huscht im Nachbargarten über kahle Äste, auf der Suche nach einem kleinen Winterhappen. Alles ist vertraut, und gleichzeitig fremd.

Wer keinen Grund hat, zu bleiben, braucht keinen, um zu gehen.

Wieder ist es Abend, fast die gleiche Uhrzeit, als Bauer in des Prinzen Büro tritt. Fast drei Wochen sind seit ihrer letzten Begegnung vergangen, und sie hat sich vor dem Wiedersehen gefürchtet.

Doch nun, als sie eintritt und sie, die Herrin über diese Stadt, an ihrem Schreibtisch sitzen sieht, verspürt sie keine Furcht. Sie ist gefasst, ruhig. Wie immer, wenn es darum geht, ein Gefecht zu durchstehen.

Sie tritt vor den Schreibtisch, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Wartet, bis der Prinz auf ihre Anwesenheit reagiert.

„Sie wollten mich erst wieder empfangen, wenn ich eine Entscheidung getroffen habe. Das habe ich getan.“ Sie macht eine Pause, sammelt sich.

„Ich werde Ihr Angebot annehmen, werter Prinz.“ Sie neigt leicht den Kopf bei der förmlichen Anrede. „Und den Weg weitergehen, den ich eingeschlagen habe.“

Wer keinen Grund hat, zu bleiben, braucht keinen, um zu gehen.

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Wieder da

Lange, sehr lange, ist es still gewesen auf diesem Blog. Nicht, weil ich verschwunden wäre oder mein geliebtes Hobby aufgegeben hätte, nein – sondern weil unsere Familie sich vergrößert hat. Aus zweien wurden vier, als wir im Mai zwei zauberhafte Zwillingsmädchen bekommen haben.

Johanna und Emilia werden uns in unserem Larp-Leben begleiten, und in Zukunft wird sich wohl auch der eine oder andere Beitrag dazu hier finden, wie man das Hobby Rollenspiel und Kinder unter einen Hut bringt.

In dieser Sommersaison ruhte das Larp, wenn auch ich ein- bis zweimal im Monat aktiv Vampire live spiele – wir haben es bereits in meiner Schwangerschaft wieder angefangen, und aktuell sind die Abende meine Auszeit von der zwar sehr schönen, aber anstrengenden Familienzeit. Der beste Ehemann und Vater dieser Welt hütet dann die Kinder, bis ich nachts um drei irgendwann ins Bett falle.

Wenn ich IT-Texte veröffentliche, werden es also weiterhin meist Vampire-Texte sein, auch wenn im November die erste Con mit Kindern für uns startet und wir im Feburar und März jeweils eine weitere Con haben. Wir sind schon sehr gespannt, wie es sich gestalten wird!

Conankündigung: Tiefenwacht 1 – Erster Rosenkonvent und Hoftag der Dornen

Erschöpft strich sich Tenja die Haare aus dem Gesicht. Es war fast dunkel, doch zum Verschnaufen blieb noch später Zeit. Jetzt mussten diese Balken endlich an die Baustelle kommen. Sie trieb Bruno mit einem aufmunternden Zungenschnalzen an, und der Ochse ließ sich brummend herab, ein wenig schneller zu werden.
Im schwindenden Licht machten sich die Umrisse des Haupthauses imposant vor dem dunkler werdenden Himmel aus. Bald schon würde die Baustelle beendet sein.
Sir Lion von Eisenforst, der Herr von Tiefenwacht, hatte sich bereit erklärt, hier am Ende des Jahres zahlreiche Gäste zu beherbergen. Karl Weber, der Archon selbst, wollte hier Hoftag halten. Einladungen waren an alle Lehen des Reichs der Rosen versendet. Seit Wochen liefen die Arbeiten auf Hochtouren, um endlich die letzten Arbeiten abzuschließen. Der Hospitalflügel und die Wirtschaftgebäude waren bereits fertig, doch dem Haupthaus fehlte noch immer das Dach.
Beim Abladen der Balken hatte Tenja Zeit, Bruno mit Heu zu füttern. Der Verwalter des Anwesens kam auf den Hof und grüßte sie. Sie plauderten einen Augenblick miteinander.
„Ist denn schon bekannt, wann die Herrschaften hier eintreffen?“ fragte sie neugierig, denn sie würde zu gerne einen Blick auf den Archon und die Vögte und Barone der Lehen werfen.  Doch der Verwalter schüttelte lächelnd den Kopf.
„Nein, das wird auch noch ein Weilchen dauern“, antwortete er, „vermutlich werden sie nur wenige Tage hier bleiben. Der Archon hält Hof, und es sollen alle die Möglichkeit haben, ihre Anliegen vorzutragen. Außerdem wird er wohl selbst noch die eine oder andere Neuigkeit mitteilen.“
„Und was genau ist dieser Konvent?“, hakte Tenja nach, „ich habe irgendwas von den Heilern drüben gehört, die kleine Nari ist schon ganz aufgeregt deswegen.“ Der Verwalter schmunzelte.
„Der Konvent soll den Lehen und den Einwohnern den Raum und die Zeit geben, einander besser kennen zu lernen und auch zu zeigen, was ihre Lehen besonders macht. Außerdem haben die Heiler irgendetwas vor, und Sir Lion will den Aquaschrein endlich weihen lassen.“ Er hob die Schultern. „Wer weiß, was den Herrschaften noch so alles einfällt? Bald werden wir es sehen.“

OT-Infos:
Wir möchten vom 10.-12. November 2017 zum ersten Konvent der Rosen einladen, einem Ambientecon mit kleinem Programm. Der Hintergrund des Cons ist, unseren Reichseinwohnern die Möglichkeit zum Austausch und internem Spiel zu geben. Außerdem wird der Archon seinen ersten offiziellen Hoftag in diesem Rahmen abhalten.
Das Con richtet sich in erster Linie an Einwohner im Reich der Rosen, an Vertreter aller Lehen, und an enge Freunde des Reichs sowie Vertreter der Elementarvölker. Wir bitten deswegen um Verständnis, dass Reichseinwohner ein Voranmelderecht genießen. Außerdem möchten wir versuchen, alle Lehen gleichermaßen zu berücksichtigen, weswegen es sein kann, dass wir bei einigen Lehen nicht alle Anmeldungen sofort durchwinken können, da wir nur begrenzten Platz zur Verfügung haben.
Die Burg Waldmannshausen ist eine ehemalige Wasserburg in der Nähe von Limburg. Wir bieten ein Wochenende mit Vollverpflegung und Unterkunft in Mehrbettzimmern. Die Burg ist sehr ambientig, und wir wollen versuchen, den Lehen genug Platz einzuräumen, um sich den anderen angemessen zu präsentieren.
Wir sind offen für Programmpunkte, die die Lehen selbst einbringen möchten. Von unserer Seite gibt es neben dem Hoftag des Archons nur kleine Programmpunkte, vor allem für Heiler, die Interesse an der Institution der Reichsheilerschaft haben. Genauere Informationen zu weiteren Punkten werden im Laufe des Jahres noch bekannt gegeben.

Hier nochmal die wichtigsten Infos:
Wann: 10.-12.11.2017
Wo: Burg Waldmannshausen, Elbtal
Kosten: SC bis 01.07.17: 75€, bis 01.11.17: 80€, danach gilt als Conzahler + 15€
GSC (nur nach Absprache): 55€
Verpflegung: Vollverpflegung inkl. Kaffee, Tee und Wasser, alles weitere an Getränken ist selbst mitzubringen (wir werden keine Taverne stellen können).
—–
Achtung, dieses Con ist eine Siedlercon auf dem Kontinent Mythodea. Es gilt das Regelwerk von Mythodea sowie DKWDDK. Die Veranstaltung ist eine Ambientecon, trotzdem behalten wir uns vor, bei unbekannten Spielern einen Charakterbogen anzufordern.
Bitte beachtet außerdem, dass die Con im Reich der Rosen spielt. Orks, Drow und Chaosanhänger werden im Reich nicht gern gesehen und ggf. feindselig behandelt, solange sie kein offizielles mythodeanisches Amt ausüben. Mehr zu diesem Thema ist hier zu finden: Das Reich der Rosen

Anmeldung unter: https://goo.gl/forms/KHBP0zvcfpdII1yk1 (google-Formular)
Die Teilnahmebedingungen findet ihr hier: agbs-tiefenwacht. Mit dem Ausfüllen der Anmeldung erkennt ihr diese an.
Orga-Kontakt: tiefenwacht@gmx.de (Suse/Myrea)

Wider den Zweifel

aus der Feder von Sir Lion von Eisenforst

Krieg ist herauf gezogen
Und dauert jetzt schon lang
Erst gegen die Verfemten
Man viele Jahre rang
Auf Geheiß der Quihen‘Assil
Das letzte Siegel brach
Vorwärts in der Zweifler Welt
Zerstört dies Land der Schmach!

Wir zieh’n wider den Zweifel
Wir zieh’n für das Land
Mit Schild und Schwert voran
Bis die Gefahr gebannt.
Egal, ob silbern oder eisern
Schließt die Reihen, Mann für Mann
Wir sind das Heer der Elemente  
Mit Schild und Schwert voran!

Ist Zweifel erst vernichtet
Vom Antlitz dieser Welt
Gibt es keinen Verfemten
Der diese Streitmacht hält
Vernichtet wird das Schwarze Eis
Der Untod und der ganze Rest
Es wird keinen Verfemten geben
Den man am Leben lässt!

Wir zieh’n wider den Zweifel …

Und sind wir auch verschieden
Die Ziele sind doch gleich
Ist erst der Feind bezwungen
Ist geglückt und dieser Streich
Dann mögen endlich heilen
Des Landes Wunden schwer
Denn verfemtes Wirken
Gibt es dann nimmermehr!

Wir zieh’n wider den Zweifel …

Wir zieh’n wider den Zweifel
Wir zieh’n für das Land
Mit Schild und Schwert voran
Bis die Gefahr gebannt.
Egal, ob silbern oder eisern
Schließt die Reihen, Mann für Mann
Wir sind das Heer der Elemente

 – Das zuletzt gewann!

(c) Jan Breimer

Bild: Live Adventure, 2015

Es kam ein Siedler zum Ouai

aus der Feder von Sir Lion von Eisenforst

 

Es kam ein Siedler zum Ouai
Und er kam mit einer Frage
Auf die er sofort `ne Antwort braucht
Das sei ja der Ouai Aufgabe.

„Was sind das für komische Tupfen,
Die hab ich da hinten geseh‘n?“
–          „Wo genau ist denn ,da hinten‘?“
Die sind auf der Wiese und grün.“
–          „Beschreib sie doch mal etwas näher.“
„Na, die sind so fluffig und klein.“
–          „Gibt’s die auch noch in anderen Farben?“
„Weiß ich doch nicht, kann aber sein.“
–          „Das sind uns‘re Kräuter…“

 Es kam ein Siedler zum Ouai…

„Verrat mir, wer diese Frau ist,
Sie trug ein weißes Kleid!“
–          „Wo ist dir die Dame begegnet?“
„Auf dem Weg an mir vorbei geeilt.“
–          „Trug sie denn was Besonderes bei sich?
Vielleicht einen Bogen und Pfeil?“
–          „Darauf hab ich gar nicht geachtet,
Ich fand nur, ihr Vorbau war geil!“
–          „Frag mal bei Haus Fono…“

Es kam ein Siedler zum Ouai…

„Sag mal, wo ist denn Kaleaaah?“
Fragt der Siedler mit glasigem Blick.
–          „Wo hast du die Frau denn gesehen?“
„Wieso Frau? Ich mein‘ doch ’nen Typ!“
–          „Woher kennst du denn diesen Herren?“
Fragte der Ouai sehr verblüfft.
„Na hömma, den kennt doch wohl jeder,
Den ham‘ die so komisch geprüft!“
–          „Ach, du meinst Karl Weber…“

Es kam ein Siedler zum Ouai…

„Was ist denn das eckige Ding da,
Das steht so schwarz-golden da rum?“
–          „Wo hat dieses Ding denn gestanden?“
„Auf dem Boden, in diese Richtung!“
–          „Sag mir, wie viele Ecken das Ding hat.“
„Ich glaube, es waren drei.“
–          „Stand es vielleicht hinter `ner Mauer?“
„Ja, und Untote war’n auch dabei!“
–          „Die Siegelpyramide…“

Es kam ein Siedler zum Ouai…

„Wer ist die Frau mit roten Haaren
Die steht bei den Wichtigen rum?“
–          „Wo hast du die Frau denn gesehen?“
„Auf dem Schlachtfeld, die Frage ist dumm!“
–          „Was trug die Frau denn für Bekleidung?“
„Bronzeplatte auf grünem Kleid“
–          „Sah man bei ihr vielleicht auch Nuram?“
„Die Böppel? Weiß ich nicht, tut mir leid.“
–           „Du sprichst von Johanna …“

Es kam ein Siedler zum Ouai…

Dies Liedlein, das ist hier zu Ende
Glaubt ihr denn, es braucht ne Moral?
Bei all diesen schwierigen Fragen
Die für die Ouai eine Qual?
Drum will ich’s mit einer versuchen,
Auch wenn sie vielleicht jemand stört,
Ich werde sie auch recht kurz halten,
Drum sperrt die Ohr‘n auf und hört:
Dummer, dummer Siedler…

Und kommt ein Siedler zum Ouai
Und sei’s auch mit der dümmsten Frage
Bekommt er jederzeit `ne Antwort drauf
Denn das ist der Ouai Aufgabe!

Spezial-Refrain:

Es kam ein Ouai zum Ouai
Und er kommt mit einer Klage
Mir hört heut wieder keiner richtig zu!
Die Siedler sind ’ne echte Plage …

 

(c) Jan Breimer

Adel verpflichtet

aus der Feder von Sir Lion von Eisenforst

 

Alles, was Ihr seht ist schöner Schein,
Edle Kleider und lieblichen Wein,
Doch das Ihr nicht seht, was Ihr nicht versteht,
Ist, was es wirklich heißt, ein Ritter zu sein.

Nobilitas obligatur,
Der Ritter ist es, der getreulich wacht,
Nobilitas obligatur,
Egal, ob bei Sturm oder in kalter Nacht,
Denn Adel verpflichtet, vergiss das niemals,
Du bist Repräsentant dieses Ideals,
Nobilitas obligatur,
Vergiss niemals deine Pflicht.

Mit sieben Jahren kommst du dann
Zu einem gestandenen Rittersmann,
Doch bist du weniger wert, als des Ritters Pferd,
So fängt deine Laufbahn als Ritter an.

Zu dienen wird dann dein Tagwerk sein,
Hälst Gewand und Rüstung des Ritters rein,
Doch bist nicht gründlich genug, füllst nicht rasch seinen Krug,
Schlägt er nach dir mit der Rute drein.

Als Knappe lernst du wohl zu führen das Schwert,
Den Stich mit der Lanze, den Ritt auf dem Pferd,
Doch auch Führung und Arten von Taktiken warten,
Zu wissen, wie man sich des Feindes erwehrt.

Nobilitas obligatur …

Und alle Tugend, die dich ziert,
Wird in deine Seele eingraviert,
Doch so hoch liegt der Pfahl, hoch das Ideal,
Dass manch einer glaubt, dass er den Kampf verliert.

Die Milte, Maße, Treue, Würde, Zucht,
Hövischkeit, Beständigkit, Demut,
Tapferkeit und Güte sind des Ritters Blüte,
Doch vergiss niemals den hohen Mut.

Hast du alle Tugend verinnerlicht
Und auch der Minne Vers und Gedicht,
Das, wenn dein Schwertvater spricht, stolz ist sein Gesicht,
Dann ist die Zeit für die Lange Wacht.

Nobilitas obligatur …

Am Tag wirst du auf jede Tugend geprüft,
Zu zeigen, was du in den Jahren gelernt,
Gestreng ist der Test, doch fehlst du nicht, das steht fest,
Und viel zu schnell bricht die Nacht herein.

Trägst nur ein weißes Untergewand,
Bar an den Füßen und nichts in der Hand,
Hälst du die ganze Nacht vor der Götter Schrein Wacht,
Dein Rittervater gibt auf dich acht.

Sieht man der Sonne erste Strahlen,
Ohne dass dir die Augen zugefallen,
Dann nimmst du ein Bad, wäschst des Knappen Last ab,
Und wirst feierlich auf die Knie bald fallen.

Nobilitas obligatur …

Jetzt trägst du der Rüstung blanken Stahl,
Auf dem Wams prangt das Wappen deiner Wahl,
Dein Rittervater spricht, dann der Schlag ins Gesicht,
Erhebt euch als Ritter, er zuletzt befahl.

Nun liegt es bei dir, wie du weiter verfährst,
Wohin dich dein Schritt führt, wem du Lehnstreue schwörst,
Doch lass dir bei der Wahl Zeit, denn ein Ruf, der eilt weit,
Und dieser sich nur schwerlich ändern lässt.

Und seht ihr jetzt des reichen Ritters Bild,
So ist doch einzig sein Wort sein Schild,
Mein Wort, dein Pfand, mit dem Schwert in der Hand,
Oder hoch zu Ross, des Volkes Schild.

Nobilitas obligatur …

So dient der Ritter dem Herrn als Vasall,
Das Volk schützt er, egal in welchem Fall,
Egal wer zu ihm spricht, er tut stets seine Pflicht,
Hat er doch zu dienen überall.

Darum respektiert eure Ritterschaft,
Die für euch streitet, ein Vorbild euch ist,
Denn des Ritters Eid gilt auf Lebenszeit,
Das ist es, was es heißt, ein Ritter zu sein.

Nobilitas obligatur,
Der Ritter ist es, der getreulich wacht,
Nobilitas obligatur,
Egal, ob bei Sturm oder in kalter Nacht,
Denn Adel verpflichtet, vergiss das niemals,
Du bist Repräsentant dieses Ideals,
Nobilitas obligatur,
Vergiss niemals deine Pflicht.

(c) Jan Breimer

Conbericht: Die Farben der Heimat

Achtung, der folgende Bericht bezieht sich auf ein Con der Mythodea-Kampagne: Wer sich in diesem Land nicht auskennt, wird über die Begriffe stolpern, aber ich hoffe, dass der Bericht trotzdem interessant ist, und versuche zu spezifische Ausführungen zu vermeiden.


Am Wochenende war ich auf einem kleinen Ambiente-Con, das vor dem Hintergrund der Mythodea-Kampagne spielte. Das Setting ist schnell erzählt: Ein Werkmeister der Tivar Khar’Assil und eine Ouai-Meisterin haben beschlossen, dass es vor dem großen Sommerfeldzug sinnvoll sein könnte, wenn sich ein paar Leute, die eigentlich in vollkommen unterschiedlichen idealistischen Lagern unterwegs sind, fernab von brodelnden Konfliktherden und tobenden Schlachten kennenlernen können.

Der grundlegende Konflikt auf Spielerseite in der Mythodea-Kampagne dreht sich um den Umgang mit der zweiten Schöpfung, den sogenannten „verfemten Elementen“. Auf der einen Seite gibt es die religiösen Fundamentalisten, die am liebsten alles Verfemte ohne Diskussion auf Sicht erschlagen – und Leute, die sich überlegen, dass es eventuell sinnvoll sein könnte, vorher ein paar Fragen zu stellen, gleich mit. Auf der anderen Seite gibt es jene pazifistischen Einhornkinder, die meinen, selbst mit Geschöpfen einer offensichtich pervertierten und verdrehten Schöpfung müsse man friedlich koexistieren.

Klingt polemisch? Ist es auch. Und genau darum ging es auf diesem Con. Dass die Verteter beider Richtungen – die „eisern“ und „silbern“ genannt werden – die Chance haben, sich in einem moderierten, überschaubaren Rahmen zu beschnuppern und ihre Ansichten auszutauschen.

Und was ist passiert? Das, was bei solch einer Begegnung wohl häufig herauskommt: Dass man feststellt, dass das eigene Bild über die andere Fraktion überzogen ist, dass viele Dinge ungleich differenzierter sind, als man angenommen hat und dass sich – oh Wunder – hinter den Begriffen „Die Eisernen“ und „Die Silbernen“ Leute verstecken, die genauso unterschiedlich sind wie die in der eigenen Fraktion. So wenig wie zwei Silberne die genau gleiche Ansicht haben über das, was silbern genau ist, so trifft dies auch bei den Eisernen zu. Und die Extremisten ganz am Rand der Skala sind dann doch seltener, als man vorher meinte.

OT:

Das Con war mit knapp 38 Teilnehmern sehr überschaubar. Das Gelände lag in der Nähe von Bamberg in Unterfranken, ein idyllischer kleiner Zeltplatz mit fester Hütte, ordentlichen sanitären Anlagen, einem kleinen Bach und wirklich schönem Wald.

Die zwei-Mann-Orga hat für alle Teilnehmer einen großen Baldachin zur Verfügung gestellt und konnte ob der kleinen Gruppe sogar Vollverpflegung anbieten. Beim Auf- und Abbau und auch beim Kochen oder Wasserholen waren alle Spieler mit eingebunden, was aber absolut problemlos ablief und dazu führte, dass am Sonntag schon um halb zwölf Mann und Maus vom Zeltplatz verschwunden waren.

Absolutes Highlight war das große Gerüst mit den farbigen Fahnen (unten dazu mehr), das aussah wie ein großes Rund tibetanischer Gebetsfahnen und den Zeltplatz dominierte.

Man merkt der Orga an, dass sie gewöhnt ist, mit großen Gruppen zu arbeiten und wirklich routiniert ist. Das war eines der am besten organisierten Cons, auf dem ich jemals war.

IT:

Wie schon erwähnt,  ging es auf dieser Con darum, einander besser kennen zu lernen. Neben Vertretern der Eisernen und Silbernen waren auch etliche Vertreter von Elementarvölkern eingeladen, die das Treffen mit ihrem Wissen und ihren Ansichten bereicherten und auch etwas zur Entzerrung des Konfliktpotentials beitrugen. Die beiden Gastgeber hatten sich zu diesem Zweck im Vorfeld darüber verständigt, wen sie einladen wollten und dann Gruppen gebildet, zu denen sich die Gäste zuordnen mussten. Jeder erhielt ein Namensschild von sich mit einem Begriff daran, der ihn nach Meinung des Gaastgebers, der ihn eingeladen hatte, passend beschrieb. Dann musste man einen auf einem Gerüst aufgehängten Begriff finden, der dazu passte. Unter jedem Begriff hingen zwischen zwei und vier Fahnen, die aus fünf Seidenstreifen in den Farben der Elemente bestanden. Indem jeder Gast den Oberbegriff suchte, zu dem sein persönlicher Begriff passen könnte, wurde er also Teil einer Gruppe – nämlich der aller, die ebenfalls zu diesem Oberbegriff passten. Die Gruppen waren stets so gemischt, dass man die anderen Gruppenmitglieder nicht oder kaum kannte. Diese Gruppen konnten nun Aufgaben erledigen, um Punkte zu sammeln. Natürlich waren die Aufgaben so gestaltet, dass sie zum Austausch anregten. Und so waren die beiden Tage erfüllt von vielen interessanten, mitunter durchaus konfliktbehafteten Gesprächen, aber auch von Spielen, Lachen und Musik. Am Samstagabend fand ein kleines Fest statt, in dessen Rahmen dann einige der Aufgaben allen präsentiert wurden: Gedichte, die aus den Diskussionen über Gegensätze und Gemeinsamkeiten der Silbernen und Eisernen entstanden waren, Lieder, die geschrieben und Tänze, die erfunden worden waren.  Außerdem war ausreichend Zeit, dazwischen immer wieder auch mit den eigenen Leuten in Ruhe über Dinge zu reden, die auf abenteuerlastigen Cons schlichtweg zu kurz kommen.

Fazit:

Alles in allem ein wirklich wunderbares  Ambiente-Con, das in seinem liebevollen Rahmenplot unglaublich viel Potential für die Charaktere der Spieler ließ, um sich auszutauschen oder auch mal die persönliche Geschichte zu bespielen. Eiserne und Silberne werden ganz sicher nicht plötzlich alle Differenzen fallen lassen, aber das war auch nicht die Absicht hinter dem Con. Aber man hat einen unverstellten  Blick auf die andere Seite erhaschen können. Es gab keine großen, epischen Momente, aber einen Haufen kleiner, ganz persönlicher Highlights. Und die Fahnen, die nun ein jeder, beschmückt mit erspielten Verzierungen, mitnehmen durfte, werden hoffentlich auf den folgenden Großcons das eine oder andere Zelt verzieren und zeigen: Hier lagert jemand, der die Farben der Heimat kennt.