Conbericht: Die Farben der Heimat

Achtung, der folgende Bericht bezieht sich auf ein Con der Mythodea-Kampagne: Wer sich in diesem Land nicht auskennt, wird über die Begriffe stolpern, aber ich hoffe, dass der Bericht trotzdem interessant ist, und versuche zu spezifische Ausführungen zu vermeiden.


Am Wochenende war ich auf einem kleinen Ambiente-Con, das vor dem Hintergrund der Mythodea-Kampagne spielte. Das Setting ist schnell erzählt: Ein Werkmeister der Tivar Khar’Assil und eine Ouai-Meisterin haben beschlossen, dass es vor dem großen Sommerfeldzug sinnvoll sein könnte, wenn sich ein paar Leute, die eigentlich in vollkommen unterschiedlichen idealistischen Lagern unterwegs sind, fernab von brodelnden Konfliktherden und tobenden Schlachten kennenlernen können.

Der grundlegende Konflikt auf Spielerseite in der Mythodea-Kampagne dreht sich um den Umgang mit der zweiten Schöpfung, den sogenannten „verfemten Elementen“. Auf der einen Seite gibt es die religiösen Fundamentalisten, die am liebsten alles Verfemte ohne Diskussion auf Sicht erschlagen – und Leute, die sich überlegen, dass es eventuell sinnvoll sein könnte, vorher ein paar Fragen zu stellen, gleich mit. Auf der anderen Seite gibt es jene pazifistischen Einhornkinder, die meinen, selbst mit Geschöpfen einer offensichtich pervertierten und verdrehten Schöpfung müsse man friedlich koexistieren.

Klingt polemisch? Ist es auch. Und genau darum ging es auf diesem Con. Dass die Verteter beider Richtungen – die „eisern“ und „silbern“ genannt werden – die Chance haben, sich in einem moderierten, überschaubaren Rahmen zu beschnuppern und ihre Ansichten auszutauschen.

Und was ist passiert? Das, was bei solch einer Begegnung wohl häufig herauskommt: Dass man feststellt, dass das eigene Bild über die andere Fraktion überzogen ist, dass viele Dinge ungleich differenzierter sind, als man angenommen hat und dass sich – oh Wunder – hinter den Begriffen „Die Eisernen“ und „Die Silbernen“ Leute verstecken, die genauso unterschiedlich sind wie die in der eigenen Fraktion. So wenig wie zwei Silberne die genau gleiche Ansicht haben über das, was silbern genau ist, so trifft dies auch bei den Eisernen zu. Und die Extremisten ganz am Rand der Skala sind dann doch seltener, als man vorher meinte.

OT:

Das Con war mit knapp 38 Teilnehmern sehr überschaubar. Das Gelände lag in der Nähe von Bamberg in Unterfranken, ein idyllischer kleiner Zeltplatz mit fester Hütte, ordentlichen sanitären Anlagen, einem kleinen Bach und wirklich schönem Wald.

Die zwei-Mann-Orga hat für alle Teilnehmer einen großen Baldachin zur Verfügung gestellt und konnte ob der kleinen Gruppe sogar Vollverpflegung anbieten. Beim Auf- und Abbau und auch beim Kochen oder Wasserholen waren alle Spieler mit eingebunden, was aber absolut problemlos ablief und dazu führte, dass am Sonntag schon um halb zwölf Mann und Maus vom Zeltplatz verschwunden waren.

Absolutes Highlight war das große Gerüst mit den farbigen Fahnen (unten dazu mehr), das aussah wie ein großes Rund tibetanischer Gebetsfahnen und den Zeltplatz dominierte.

Man merkt der Orga an, dass sie gewöhnt ist, mit großen Gruppen zu arbeiten und wirklich routiniert ist. Das war eines der am besten organisierten Cons, auf dem ich jemals war.

IT:

Wie schon erwähnt,  ging es auf dieser Con darum, einander besser kennen zu lernen. Neben Vertretern der Eisernen und Silbernen waren auch etliche Vertreter von Elementarvölkern eingeladen, die das Treffen mit ihrem Wissen und ihren Ansichten bereicherten und auch etwas zur Entzerrung des Konfliktpotentials beitrugen. Die beiden Gastgeber hatten sich zu diesem Zweck im Vorfeld darüber verständigt, wen sie einladen wollten und dann Gruppen gebildet, zu denen sich die Gäste zuordnen mussten. Jeder erhielt ein Namensschild von sich mit einem Begriff daran, der ihn nach Meinung des Gaastgebers, der ihn eingeladen hatte, passend beschrieb. Dann musste man einen auf einem Gerüst aufgehängten Begriff finden, der dazu passte. Unter jedem Begriff hingen zwischen zwei und vier Fahnen, die aus fünf Seidenstreifen in den Farben der Elemente bestanden. Indem jeder Gast den Oberbegriff suchte, zu dem sein persönlicher Begriff passen könnte, wurde er also Teil einer Gruppe – nämlich der aller, die ebenfalls zu diesem Oberbegriff passten. Die Gruppen waren stets so gemischt, dass man die anderen Gruppenmitglieder nicht oder kaum kannte. Diese Gruppen konnten nun Aufgaben erledigen, um Punkte zu sammeln. Natürlich waren die Aufgaben so gestaltet, dass sie zum Austausch anregten. Und so waren die beiden Tage erfüllt von vielen interessanten, mitunter durchaus konfliktbehafteten Gesprächen, aber auch von Spielen, Lachen und Musik. Am Samstagabend fand ein kleines Fest statt, in dessen Rahmen dann einige der Aufgaben allen präsentiert wurden: Gedichte, die aus den Diskussionen über Gegensätze und Gemeinsamkeiten der Silbernen und Eisernen entstanden waren, Lieder, die geschrieben und Tänze, die erfunden worden waren.  Außerdem war ausreichend Zeit, dazwischen immer wieder auch mit den eigenen Leuten in Ruhe über Dinge zu reden, die auf abenteuerlastigen Cons schlichtweg zu kurz kommen.

Fazit:

Alles in allem ein wirklich wunderbares  Ambiente-Con, das in seinem liebevollen Rahmenplot unglaublich viel Potential für die Charaktere der Spieler ließ, um sich auszutauschen oder auch mal die persönliche Geschichte zu bespielen. Eiserne und Silberne werden ganz sicher nicht plötzlich alle Differenzen fallen lassen, aber das war auch nicht die Absicht hinter dem Con. Aber man hat einen unverstellten  Blick auf die andere Seite erhaschen können. Es gab keine großen, epischen Momente, aber einen Haufen kleiner, ganz persönlicher Highlights. Und die Fahnen, die nun ein jeder, beschmückt mit erspielten Verzierungen, mitnehmen durfte, werden hoffentlich auf den folgenden Großcons das eine oder andere Zelt verzieren und zeigen: Hier lagert jemand, der die Farben der Heimat kennt.